Notunterkunft bleibt vorübergehend geschlossen – Fragen und Antworten

Die Notunterkunft Bremgarten (NUK) bleibt noch geschlossen. Eine Wiedereröffnung ist jederzeit möglich. Der Zeitpunkt dafür nicht bekannt. Die Freiwilligenarbeit wird in angepasster Form weitergeführt.

In einem Treffen mit Vertretern der Freiwilligenarbeit hat Dominik Wäfler, Bereichsleiter Kollektivunterkünfte bei der Heilsarmee Flüchtlingshilfe, die Hintergründe ausführlich erläutert. Gemeinsam wurde die Planung des weiteren Vorgehens in Angriff genommen.

Die Heilsarmee informiert alle Betroffenen mit folgendem Schreiben:
Info Heilsarmee Flüchtlingshilfe, 29. Juli 16

Andreas Gutweniger war einer der Teilnehmer des Treffens und versucht im Folgenden, die häufigsten Fragen zu beantworten:

Warum wurde die Notunterkunft Bremgarten (NUK) vorübergehend geschlossen?

Anlass für die Schliessung Ende Juni war ein Befall mit Bettwanzen. Die professionelle Entfernung dieser ärgerlichen kleinen Tierchen wurde damals unverzüglich begonnen und ist seit etwa einer Woche abgeschlossen.

 

Warum wurde die NUK danach nicht wieder geöffnet?

Die Zahl der im Kanton Bern unterzubringenden Flüchtlinge hat in den vergangenen Monaten etwas abgenommen. Es wird erwartet, dass sie im Herbst wieder deutlich ansteigt. Solche saisonalen Schwankungen gibt es fast jedes Jahr. Die Heilsarmee Flüchtlingshilfe hat bereits in den Vorjahren während der Sommermonate einige Unterkünfte vorübergehend geschlossen – und damit gute Erfahrungen gemacht: Auf diese Weise kann das Personal zur Entlastung an anderen Standorten eingesetzt werden, was auch den Flüchtlingen zu Gute kommt. Auch in diesem Jahr hat man sich entschieden, so vorzugehen und dies in der vergangenen Woche mit dem Kanton abgestimmt. Da die NUK Bremgarten bereits geschlossen war, lag es nahe, diesen Standort für die „Pause“ zu wählen.

 

Wer hat das entschieden?

Der Entscheid lag bei Dominik Wäfler, Bereichsleiter Kollektivunterkünfte bei der Heilsarmee Flüchtlingshilfe. Er erfolgte auf Basis der zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Informationen und nach Abstimmung mit den kantonalen Stellen. Herr Wäfler hat uns seine Überlegungen ausführlich erläutert. Auch wenn sich daraus für die in Bremgarten betroffenen Flüchtlinge deutliche Nachteile ergeben: Im grösseren Zusammenhang und nach Abwägung aller Argumente ist dieser Entscheid  meines Erachtens plausibel und gut nachvollziehbar.

 

Was war die Motivation? Gab es finanzielle Interessen?

Die Heilsarmee versucht, mit gegebenen Mitteln das Beste für die Asylsuchenden zu erreichen. Sie zieht aus dem Entscheid keine finanziellen Vorteile. Alle Mitarbeiter werden weiterhin beschäftigt. Kosteneinsparungen werden damit nicht erzielt. Die Motivation für den Entscheid liegt primär in der Entlastung der Mitarbeiter. Diese sind in den vergangenen Monaten durch den massiven Ausbau der Unterkünfte stark strapaziert worden: Innerhalb eines halben Jahres hat die Heilsarmee ihre Unterbringungskapazität verdoppelt, um Obdachlosigkeit bei den Flüchtlingen zu vermeiden. Es ist einleuchtend, dass das eine enorme Belastung für die Mitarbeiter war. Und leider muss man vermuten,  dass es im Herbst erneut zu einer angespannten Situation kommt. Ein vorheriges „Durchatmen“ wird möglich, indem Mitarbeiter aus Bremgarten die Teams an anderen Standorten verstärken. Dies kommt natürlich auch den Asylsuchenden zu Gute – allerdings um den Preis, dass jene aus Bremgarten länger „entwurzelt“ und an anderen Orten untergebracht bleiben.

 

War das ein «politischer» Entscheid?

Nein. Der Entscheid ist von der Heilsarmee getroffen worden, nicht von der Politik.

„Politisch entschieden“ – aber keineswegs neu – sind die Rahmenbedingungen, z.B. wie viele Mittel für Unterbringung oder Deutsch-Kurse bereit gestellt werden, wie Asylverfahren ablaufen, unter welchen Bedingungen Flüchtlinge arbeiten dürfen etc.  Diese Rahmenbedingungen widerspiegeln die öffentliche Meinung in der Schweiz – und können somit von jedem von uns ein klein wenig beeinflusst werden. Wer stimmberechtigt ist, kann seinen Einfluss zusätzlich auch an der Urne geltend machen.

 

Bremgarten gilt als Vorzeige-Standort bezüglich Engagement der Bevölkerung und Integration der Asylsuchenden. Warum wurde nicht ein Standort vorübergehend geschlossen, an dem es weniger gut läuft?

Hier haben viele Faktoren eine Rolle gespielt. Zu den wichtigsten gehörten:

  • Die Heilsarmee setzt sich generell dafür ein, dass möglichst wenig Flüchtlinge unterirdisch untergebracht werden. Da ist es nur konsequent, dass für die vorübergehende Schliessung auch ein unterirdischer Standort gewählt wurde.
  • Die Grösse des Standorts musste passen. In Bremgarten waren zum Zeitpunkt des Entscheids nur etwa 60 Asylsuchende. Diese konnten auf andere Unterkünfte verteilt werden. Bei einem grösseren Standort wäre das nicht möglich gewesen.
  • Bremgarten war zum Zeitpunkt des Entscheids bereits geschlossen (wegen der Wanzen). Bei Wahl eines anderen Standorts hätten abermals Asylsuchende umverteilt werden müssen. Demgegenüber schien eine Verlängerung der Bremgartener Ausquartierung das kleinere Übel zu sein.

Man kann herzlich darüber streiten, ob dies die richtigen Argumente waren oder ob man andere Faktoren hätte stärker gewichten sollen. Aber ich finde:

  1. Uns Freiwilligen steht eine solche Kritik nicht zu. Wenn wir nicht Vertrauen in die Profis haben, dass sie umsichtig und unter Berücksichtigung aller relevanten Fakten entscheiden, dann macht eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn.
  2. Es ist relativ leicht, es im Nachhinein besser zu wissen. Ich möchte aber nicht mit jenen tauschen, die die Verantwortung für solche Entscheide tragen.

 

Warum wurden die Freiwilligen und die Asylsuchenden so spät informiert?

Leider gab es bei der Angelegenheit zwei sehr bedauerliche Pannen:

  1. Der Entscheid, Bremgarten weiter geschlossen zu halten, fiel just an dem Tag, an dem bereits die Rückführung der Bewohner nach Bremgarten geplant war. Hier hat die Abstimmung der Beteiligten nicht gut funktioniert. Mit der unschönen Konsequenz, dass viele Flüchtlinge bereits „auf gepackten Koffern sassen“ als sie erfuhren, dass es doch noch nicht zurück geht.
  2. Die erste Mail, mit dem die Freiwilligen informiert wurden, war missverständlich verfasst, enthielt einige Fehler und ging an den falschen Verteiler. Dies hat einige Verwirrung und teils heftige Reaktionen ausgelöst, woraufhin einen Tag später eine Richtigstellung erfolgte.

Für beide Pannen hat Herr Wäfler sich  mehrmals bei uns entschuldigt.

 

Wo sind die ehemaligen Bewohner der NUK Bremgarten jetzt?

Die 60 betroffenen Bewohner aus Bremgarten sind derzeit in den Unterkünften in

untergebracht.

 

Gibt es dort auch Freiwilligenarbeit?

An allen Standorten gibt es Freiwillige, die sich für Flüchtlinge engagieren (siehe z.B. http://www.ref-hindelbank.ch/ein-bericht-aus-dem-asyltreff-rendezvous/ und http://www.rkmg.ch/migration).

Die Zahl der Freiwilligen und der Umfang des Angebots sind dort aber deutlich kleiner als in Bremgarten.  Am einen Standort konnte in den vergangenen Wochen ein rudimentäres Angebot an Deutsch-Unterricht aufgebaut werden; an einem anderen existiert so etwas noch gar nicht.

 

Wird Bremgarten wieder geöffnet? Wann?

Die Heilsarmee sorgt dafür, dass die NUK Bremgarten bei Bedarf innert 48 Stunden wiedereröffnet werden kann. Wann dieser Bedarf besteht, ist unbekannt. Denn es ist nicht möglich, die Entwicklung der Flüchtlingszahlen in der Schweiz seriös vorherzusagen. Es kann sein, dass die NUK Bremgarten schon in einer Woche benötigt wird. Oder in einem Monat. Oder in einem halben Jahr. Oder nie mehr. Niemand weiss das heute.

 

Werden die ehemaligen Bewohner der NUK Bremgarten hierher zurückkehren können?

Falls und sobald Bremgarten wieder geöffnet wird, werden alle ehemaligen Bewohner die Wahl haben, hierher zurückzukehren oder am neuen Ort zu bleiben. Dies hat Dominik Wäfler mehrmals zugesichert.

 

Was wissen die Asylsuchenden über die Situation? Wie wurden sie informiert?

Alle betroffenen Flüchtlinge wurden über die Situation informiert: Ihnen wurde gesagt, dass sie noch nicht nach Bremgarten zurückkehren können. Ihnen wurde gesagt, dass unbekannt ist, wann / ob Bremgarten wieder eröffnet wird. Ihnen wurde gesagt, dass sie eine Wahlmöglichkeit haben werden, wenn Bremgarten wieder eröffnet wird.

Möglicherweise ist diese Information aber noch nicht von allen verstanden worden oder sie wurde durch anders lautende Gerüchte verdrängt. Die Mitarbeiter der Heilsarmee werden daher in den nächsten Tagen noch einmal mit allen sprechen. Wer selbst in Kontakt mit Betroffenen ist, soll es bitte bei Bedarf auch noch einmal erklären!

 

Ist das Engagement von Freiwilligen weiterhin erwünscht?

Selbstverständlich! Dominik Wäfler hat die Sitzung gestern mit einem grossen Dank an alle eröffnet, die sich in den vergangenen Wochen engagiert haben! Und er hat betont, dass die Mithilfe der Bevölkerung der einzig wirksame Weg ist, wie Integration tatsächlich stattfinden kann. Denn diese lässt sich weder an Hilfsorganisationen delegieren, noch in „Integrationskursen“ erlernen.

 

Wie geht es nun weiter mit der Freiwilligenarbeit in Bremgarten?

Diese Frage hat die Teilnehmer des Treffens sehr viel mehr beschäftigt als die Aufarbeitung der vergangenen Wochen. Denn wir haben hauptsächlich nach vorn geschaut und nur wenig zurück!

Gemeinsamer Wille ist, dass wir das Engagement für „unsere“ Flüchtlinge so gut wie möglich auch unter den veränderten Bedingungen fortführen. Die Heilsarmee will dabei tatkräftig mithelfen. Intensiv diskutiert wurde zum Beispiel ein Bus-Shuttle, mit dem Flüchtlinge aus Hindelbank und Münchenbuchsee zu Deutsch-Kursen und anderen Aktivitäten nach Bremgarten gebracht werden. Ob das praktikabel ist, muss noch geprüft werden.

Deutlich wurde auch, dass es keine Patent-Lösung gibt, die auf alle Angebote passt (der Lauftreff kann auch einmal anderswo stattfinden, der Gemüsegarten lässt sich nicht so leicht transportieren).
Ich werde mich in den nächsten Tagen an die Ansprechpartner der diversen Gruppen, an die Deutschlehrer und an die Coaches wenden, um Näheres zu klären. Zugleich bitte ich alle Freiwilligen, sich schon einmal Gedanken zu machen, welche Lösungen es für ihre Angebote geben könnte.

 

Ich habe im Rahmen der Freiwilligenarbeit einzelne Asylsuchende gut kennen gelernt. Wie kann ich den Kontakt halten?

Aus Datenschutzgründen können keine Listen herausgegeben werden, welcher Flüchtling wo untergebracht ist. In Einzelfällen helfen die Mitarbeiter der Heilsarmee aber gern, den Kontakt herzustellen: Mail an nuk_bremgarten@heilsarmee.ch .

 

Ich bin mit diesen Antworten noch nicht zufrieden / habe weitere Fragen. An wen soll ich mich wenden?

Wer noch Fragen und Kommentare hat, kann sich gern an mich wenden: info@3047hilft.ch. Ich helfe, soweit ich kann. Alles andere werde ich sammeln und gebündelt an die Heilsarmee weitergeben. Auf diese Weise können dann auch alle von den Antworten profitieren.

Andreas Gutweniger

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